Der Blog erscheint beschäftigt sich mit den Themen Agilität, Agilissence und Komplexität.

Neben
Definitionen, um im Jungle von Buzzwords mit Missverständnissen aufzuräumen, geht es vor allem um die Voraussetzungen für den Einsatz von Agilissence, die einzelnen Elemente, sowie um Schlussfolgerungen, die sich bei der Arbeit mit dem Konzept ergeben.
2Cycles Model

Agilissence: Das 2Cylces Model

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In dem Beitrag Aspekte: die Essenz von Komplexität habe ich die Aspekte von Systemen beschrieben: Umfeld, Struktur, Handlung, Weltsicht und Motivation. Dort habe ich auch eine typische Darstellung für deren Zusammenhang gewählt, eine Pyramide. Diese Art von Darstellung findet man in fast jedem Buch über Agilität.

Das Modell der Pyramide folgt der Annahme, dass die Aspekte aufeinander aufbauen. Wie bei einem Haus das Fundament, stehen in einer Pyramide die Aspekte weiter unten, die Voraussetzung für die Aspekte weiter oben sind. Zum Beispiel kann ich das oberste Stockwerk eines Hauses umbauen, ohne das Fundament anpassen zu müssen. Ein Fundament zu bauen, wenn das Haus schon fertig ist, wird allerdings schwierig. Für die Aspekte würde das zum Beispiel bedeuten, dass ich anders handeln kann, ohne die Strukturen anpassen zu müssen und dass ich Strukturen ändern kann, ohne dass sich die Weltsicht ändern muss. Das stimmt aber nicht! In der Realität beeinflussen sich die Aspekte alle gegenseitig, in einem gerichteten Zusammenhang. Ändere ich etwas an einem Aspekt, entsteht Bewegung und alle Aspekte werden beeinflusst, in einer bestimmten Reihenfolge.

Beispiel Umfeld → Struktur

Architekten beschäftigen sich mit dem Zusammenhang zwischen Umfeld und Strukturen. Sie gestalten Gebäude und Räume (das Umfeld) um eine bestimmte Kommunikation zu ermöglichen oder zu unterstützen. Das ist der Grund, warum ein Konzertsaal anders aussieht, als ein Museum, der Tisch im Büro des Vorstandes diesen von den Besuchern trennt, in einem Besprechungsraum der Tisch aber in der Mitte steht. Auch bei kreativen Prozessen spielt das Umfeld eine große Rolle. In Räumen mit bunten Bällen und mit bemalteren Wänden kommt man auf andere Ideen, als im Großraumbüro. Das Umfeld beeinflusst also die Kommunikationsstrukturen, aber auch alle anderen Arten von Zusammenarbeit.

Beispiel Struktur → Handlung

„Convey’s Law“ besagt, dass Strukturen die Handlungen und die Ergebnisse der Handlungen beeinflussen: „Jede Organisation, die im weitesten Sinne ein System entwirft, wird ein Design erzeugen, dessen Struktur eine Kopie der Kommunikationsstruktur der Organisation ist.“ Zum Beispiel finden wir starre Prozesse in Unternehmen, die starre hierarchische Strukturen besitzen, kreative Lösungen finden sich eher da, wo Mitarbeiter selbst-organisiert zusammenarbeiten und keine Angst vor Fehlern haben. Strukturen beeinflussen also unsere Handlungen.

Beispiel Handlung → Umfeld

Die Erzeugung von immer mehr Produkten führt zu immer mehr Umweltbelastung, ich kann mit den richtigen Handlungen die Welt verändern. Was wir tun hat Auswirkung auf unser Umfeld, konkret zum Beispiel auf andere Abteilungen, unsere Kunden, andere Unternehmen, unser Klima. Unsere Handlungen beeinflussen also unser Umfeld.

Beispiel Handlung → Weltsicht

Ein Kind, welches auf eine heiße Herdplatte gefasst hat, wird ab dann vorsichtiger mit Gegenständen umgehen, deren Temperatur es nicht kennt - oder zumindest vorsichtiger mit dem Herd sein. Ein Mitarbeiter, der wegen eines Fehlers zurechtgewiesen wurde, wird sich beim nächsten Mal gut überlegen, ob er einen Fehler zugibt. Wird er nie gelobt, wird er sich darauf konzentrieren, keine Fehler zu machen, aber seine Erfolge übersehen. Erfahrungen die ich gemacht habe, bestimmten also, wie ich bestimmte Situationen beurteile und was ich überhaupt wahrnehme. Meine Handlungen bestimmen meine Weltsicht.

Beispiel Weltsicht → Motivation

Sehe ich die Welt als Kampf, wird es mir wichtig sein, zu gewinnen. Sehe ich die Welt mit Liebe, werde ich mich bemühen, dass es anderen gut geht. Was mich motiviert, hängt vor allem davon ab, wie ich die Welt sehe. Meine Weltsicht bestimmt meine Motivation.

Beispiel Motivation → Handlung

Bin ich in einem klassisch organisierten Unternehmen glücklich, motiviert mich wahrscheinlich Geld. Klassische Unternehmen zahlen daher dafür, dass ich eine bestimmte Rolle ausübe und Leistung bringe. In einem Startup motiviert mich, dass ich an das Produkt des Unternehmens glaube. Dort zählt daher eher, dass ich mitdenke und gemeinsam mit anderen ein möglichst gutes Produkt erstelle, egal ob ich dafür auch mal eine andere Rolle einnehmen oder mehr als 40 Stunden in der Woche aufwenden muss. Je nach meinen Motiven werde ich also eher Dienst nach Vorschrift machen, mich einbringen oder „die Extrameile gehen“. Meine Motivation beeinflusst meine Handlungen.

Die Zusammenhänge bilden zwei Kreise

Das mentale Modell des Eisbergs besagt, dass manche Dinge über der Oberfläche des Wassers sind und ich sie sehen kann. Sie sind externalisiert, beschreibbar, offensichtlich. Ein Teil des Eisbergs ist aber unter Wasser. Dieser Teil ist unsichtbar, implizit, verdeckt. Die Aspekte lassen sich danach einteilen. An der Oberfläche gibt es das Umfeld, Strukturen und Handlungen. Unter der Oberfläche liegt die Weltsicht, die Motivation und Handlungen.

Interessant hierbei ist die Handlung. Diese existiert als bewußtes Tun oberhalb und als unbewußtes Tun unterhalb des Wassers. Sie ist damit ein verbindendes Element. Visualisiert ergeben sich für die Darstellung eines komplexen Systems damit zwei Kreise, ein innerer Kreis und ein äußerer Kreis, mit der Handlung in der Mitte. Die zwei Kreise sind wie zwei Räder, sie bewegen sich. Die Handlung ist wie eine Pedale, die die Räder bewegt - daher der Name Bicycle Model (Zweirad Modell).

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