Der Blog erscheint beschäftigt sich mit den Themen Agilität, Agilissence und Komplexität.

Neben
Definitionen, um im Jungle von Buzzwords mit Missverständnissen aufzuräumen, geht es vor allem um die Voraussetzungen für den Einsatz von Agilissence, die einzelnen Elemente, sowie um Schlussfolgerungen, die sich bei der Arbeit mit dem Konzept ergeben.
Schwingungen

Die Schwingungen im 2Cycles Model

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Das 2Cycles-Model ist die Hauptkomponente von Agilissence. Es ist ein Denkmodell, eine Bedienoberfläche und ein Schweizer Taschenmesser für den Umgang mit komplexen Systemen. Es hilft, das Unsichtbare sichtbar zu machen, Klarheit über das Verhalten und die Glaubenssätze im System zu erlangen und zu verstehen, wie und warum Dinge passieren. Vor allem aber hilft es, nicht mehr nur in einfachen Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen zu denken, sondern in zyklischen Wirkzusammenhängen: Damit können gleichzeitig die Details und das Ganze und alle Ursachen und Wirkungen verstanden werden. Im Modell wird das mithilfe des Bildes von Schwingungen erreicht. Darum geht es in diesem Beitrag.

Ich habe bei Agilissence: Das 2Cycle Model beschrieben, dass der Zusammenhang der Aspekte gerichteten Kreisen entspricht. Möchte ich ein System zu einem Zeitpunkt verstehen, muss ich die Bewegung zwischen den Aspekten verstehen. Die Bewegung hat dabei drei Ausprägungen: Handlung, Impuls und Mangel.

Wird eine Handlung ausgeführt, so fängt das System an zu schwingen, es wird also Energie aufgewendet, weitergegeben und umgewandelt. Handlungen geschehen innerhalb des Systems. Impuls hingegen kommt von außen und ändert die Schwingung des Systems. Betrachten wir einen Ist-Zustand des Systems, wird der Impuls immer im Aspekt Umfeld erzeugt. Die Schwingung wird ihre Frequenz ändern, unregelmäßig werden oder sich verstärken. Mangel ist das Fehlen eines Impulses oder einer Handlung und kann daher innerhalb oder von außerhalb auftreten. Die Schwingung im System ändert sich, indem sie gedämpft oder gebrochen wird.

Handlung

Die Handlungen können in drei Kategorien eingeteilt werden. Das sind die Kategorien Strategie (Richtung), Wissen (Schwingungserzeugung) und Entwicklung (Ergebniserzeugung). Soll sich ein System einschwingen, die Grundvoraussetzung für Flow, so müssen alle drei Kategorien in Balance sein: Ohne Richtung wird die Wertschöpfung nicht effektiv sein können, ohne Wissen nicht adaptiv, ohne Entwicklung nicht effizient. Habe ich zum Beispiel zu viel Gewicht auf die Kategorie Wissen, kommt es bei Veränderungsversuchen oft zu sehr vielen Gesprächen und nur zu wenig Änderung. Alles wird diskutiert alles infrage gestellt. Wird die Strategie gestärkt, indem zum Beispiel eine klare Orientierung geschaffen wird, werden die Diskussionen weniger. Stärke ich die Entwicklung, zum Beispiel durch stärkere Einbeziehung der Kunden, wird sich der Fokus der Wissenserzeugung und -verwendung ändern.

Impuls

Ein Impuls von außen und führt zu einer Veränderung. Die Veränderung hat eine Wirkung auf einen Aspekt im System und davon ausgehend auf alle anderen Aspekte des Systems. Die Aspekte werden dann zu Wirkbereichen und das System fängt an, seine Schwingung zu verändern. Ändere ich zum Beispiel die Struktur, in dem ich eine Führungsebene abschaffe, wird dies große Auswirkungen auf die Entscheidungen und Handlungen der wertschaffenden Teams haben.

Die Schwingung kann verschiedene Verhalten auslösen. Das System kann blockieren (siehe Mangel), es kann sich einschwingen (oszillieren), die Schwingung kann immer mehr zunehmen (sich verstärken) oder sich schnell wieder abschwächen (gedämpft werden). Alle Arten von Schwingungen geben Hinweise auf das System, führen zu Entdeckungen und weisen auf Probleme hin. Durch das Bild der Schwingung kann mit den Beteiligten darüber ein konstruktiver Dialog geführt und die Probleme aufgelöst werden.

Mangel

Ein Mangel tritt auf, wenn durch eine Veränderung etwas Essenzielles wegfällt. Beim Ändern von Rollen kann zum Beispiel Verantwortung wegfallen, bei dem Abbau von Führungskräften oder Mitarbeitern zum Beispiel Orientierung oder Wissen. Es ist wichtig, einen Mangel schnell zu erkennen und zu beheben, entweder durch Zurücknehmen der Maßnahme, die zu dem Mangel geführt hat, oder durch eine weitere Maßnahme, die den Mangel behebt. Wird darauf verzichtet, stockt das System gefährlich oder fängt an, sich aufzuschwingen bis es zerbricht.

Zusammengefasst: Handlungen (von innen), Impulse (von außen) und Mangel (innen oder außen) erzeugen in einem Aspekt, der dann zum Wirkbereich wird, eine Wirkung. Diese erzeugt eine Schwingung, die sich durch die beiden Wirkungskreise des 2Cycles-Models fortpflanzt und im Idealfall zu einer Oszillation (Flow) führt. Tut sie das nicht, werden Blockaden, Dämpfungen oder Verstärkungen im System sichtbar, die einen Hinweis darauf geben, was getan werden muss, um Flow zu erzeugen.

Die Wirkungen der Wirkbereiche in den Wirkungskreisen zu verstehen hilft enorm, mit dem System umzugehen.

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