Der Blog erscheint beschäftigt sich mit den Themen Agilität, Agilissence und Komplexität.

Neben
Definitionen, um im Jungle von Buzzwords mit Missverständnissen aufzuräumen, geht es vor allem um die Voraussetzungen für den Einsatz von Agilissence, die einzelnen Elemente, sowie um Schlussfolgerungen, die sich bei der Arbeit mit dem Konzept ergeben.
Integratoren

Interaktion und Integration

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Wenn von Wertschaffung die Rede ist, wird meist von einem Team gesprochen. Dieses soll alle Kompetenzen und Skills vereinen, um ein Produkt oder einen Service autonom, also ohne Abhängigkeiten von außen, zu entwickeln.

Außer in Start-ups und bei kleinen Produkten braucht es aber eigentlich immer mehr als ein Team. Es gibt verschiedene Domänen, Capabilities, (externe) Services, Support, Operations usw. Daher stellt sich die Frage nach der Zusammenarbeit oder idealerweise sogar der Integration. Ein komplexes Unterfangen.

Agilissence versucht immer, durch Abstraktion und maximale Vereinfachung Klarheit über komplexe Sachverhalte zu erlangen (die Essenz herauszuarbeiten). Durch Belegung der abstrakten Container mit konkreten Inhalten wird dann Komplexität sichtbar und navigierbar. Was bedeutet das für das Thema Integration?

Unterscheidung zwischen Interaktion und Integration

„Interaktion bezeichnet das wechselseitige aufeinander Einwirken von Akteuren oder Systemen“ (Wikipedia) und ist damit die Schnittstelle zwischen den verschiedenen 2Cycles-Modellen, konkret im Verhaltens-Wirkungskreis im Aspekt Umfeld eingeordnet. Alle Überlegungen zu dem Thema gelten somit nicht nur für Teams, sondern für alle Arten von Systemen.

Integration ist hingegen definiert als „zusammenfügen zweier Systeme zu einem gemeinsamen Zweck dergestalt, dass sich für das ursprüngliche System ein Mehrwert ergibt bzw. dass sich für das neu entstandene System ein Mehrwert gegenüber den vorherigen Einzelsystemen ergibt“ (Wikipedia). Nach meiner Meinung muss diese Definition ergänzt werden, denn: Ein Zusammenführen zweier Systeme muss nicht auf der gleichen Ebene erfolgen, sondern kann auch durch Bilden eines „System Of Systems“ erreicht werden, das emergente Eigenschaften erzeugt und vererbt und dadurch für beide ursprünglichen Systeme einen Mehrwert erzeugt.

Zusammenhang Interaktion und Integration

Während bei der Interaktion also die Zusammenarbeit zweier Systeme im Vordergrund steht, ist es bei der Integration die Zusammenarbeit in einem (neuen) System. So gesehen folgt die Integration der Interaktion und kann aus dieser abgeleitet werden (im 2Cycles-Modell durch den Übergang des Fokus vom Umfeld zur Struktur). Nicht nur Interaktion zu betrachten, sondern Integration anzustreben ist sinnvoll, denn sie reduziert Integration: Ambiguität bei den Verantwortlichkeiten, sowie Wartezeiten und Abhängigkeiten werden aufgelöst.

Ein Unternehmen beauftragt mich in der Regel, weil die Wertschaffung effizienter und effektiver werden soll. Meist verbessern wir dafür erst mal die Interaktion. In einem zweiten Schritt folgt dann die Integration, zum Beispiel durch einen anderen Teamschnitt oder die Zusammenlegung von Teams zu Team Of Teams. Das ideale Ziel ist also immer Integration, die aber selten direkt erreicht werden kann.

Arten von Interaktion

Die einfachste Art der Interaktion ist es, zwei Systeme (z. B. Teams) zu verbinden. Dafür muss genau klar sein, welches System wofür zuständig ist. Welche Rollen gibt es, welche Verantwortlichkeiten, welche Ergebnisse werden erzeugt und wie sind die Schnittstellen für die Interaktion definiert. Eine andere Art der Interaktion liegt vor, wenn mehr vom Gleichen erstellt werden soll. Damit nicht jedes System das Rad neu erfinden oder redundante Arbeit leisten muss, braucht es Koordination, die auch eine Form von Interaktion darstellt. Entscheidung ist auch ein essenzieller Teil der Interaktion. Hierbei handelt es sich um die gerichtete Interaktion zwischen System-Ebenen, erkennbar als Meilenstein oder Kaskade.

Wir haben damit 3 Arten von Interaktion, die auch im Spezialfall Integration gelten und in der Modellierung aufzeigen, wo Potenziale für eine Verbesserung der Effizienz und Effektivität vorliegen.

Kurzbeschreibung der Integratoren

Verbinden

anfragen

Von außerhalb des eigenen Systems Unterstützung erfragen (push), in Bezug auf Strategie, Wissen oder Entwicklung.

Belegungen können zum Beispiel sein: Zugang erbitten, Datenbank zur Verfügung stellen lassen, Erlaubnis einholen

liefern

Unterstützung geben, in Bezug auf Strategie, Wissen oder Entwicklung.

Belegungen können zum Beispiel sein: Zugang erlauben, Teilprodukt liefern, Erlaubnis erteilen

service

Wiederkehrende Aktionen und Ereignisse als Dienstleistung bzw. auf Abruf (pull). Wartung, regelmäßige Instandhaltung, Support, Pflege. Konsequentes Überprüfen der Abläufe (Sequenzen der Handlungsphasen). Verknüpfung von zwei Prozessen.

Belegungen können zum Beispiel sein: Impediment-Handling, 1st-Level-Support, bereitstellen Backend

teilen

Strategien, Wissen oder Ergebnissen zur Verfügung stellen, verteilen oder aufteilen.

Belegungen können zum Beispiel sein: Konferenz, Jour fixe, Team Of Teams bilden

Von der Interaktion zur Integration: Auflösen der Verbindungen durch Einbindung der fremden Prozesse, Teams oder Systeme aufnehmen ins eigene System, Teamschnitt nach Wertstrom (Value Stream) schneiden.

Koordinieren

synchronisieren

Koordination zwischen zwei Prozessen, Teams oder Systemen.

Belegungen können zum Beispiel sein: Abstimmungsmeeting, Daily Scrum, Scrum of Scrum

iterieren

Wiederholte Ausführung eines (Teil-)Prozesses.

Belegungen können zum Beispiel sein: Sprints, Aufbau von Gewohnheiten, Handlungsabfolge

*Von der Interaktion zur Integration: Bestimmung einer Taktung, die eine effiziente Zusammenarbeit (Kollaboration) und Wissensaustausch ermöglicht.

Entscheiden

Milestone

Zwischen mehreren Alternativen oder Optionen eine Wahl treffen oder ein Urteil fällen.

Belegungen können zum Beispiel sein: Strategieentscheidung, beurteilen, freigeben.

Von der Interaktion zur Integration: Entscheidungen in die Teams geben und damit die Selbst-Organisation stärken, zum Beispiel durch Delegation Poker.

Zusammenfassung

Interaktion ist immer notwendig, wenn mehrere Systeme betrachtet werden. Das Ziel dabei ist im Idealfall eine Integration. Interaktion und Integration sind eine bestimmte Form von Handlungsphasen und können daher mit diesen kombiniert werden. Während sich die Handlungsphasen von Agilissence auf konkrete Ziele (Wertschaffung) beziehen, geht es bei den Integratoren um die Intention des gemeinsamen Handelns.

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